Innenstadt­entwicklung

Innenstädte neu denken!

Obernstraße

Die Innenstadt kommt nicht zur Ruhe und bleibt Zankapfel der Politik und Wirtschaft in Bremen. Ich finde, bei der ganzen Debatte verlieren wir uns viel zu schnell in den Details, ohne die grundlegende Frage geklärt zu haben: Wie soll eine moderne und attraktive Innenstadt eigentlich aussehen?

Wir müssen Innenstädte neu denken!

In ganz Deutschland merken wir immer stärker: Innenstädte funktionieren nicht mehr so wie früher. Lange waren unsere Innenstädte vor allem Zentren, in denen wir besonders gut einkaufen konnten. Der wachsende Online-Handel bringt hier immer stärkere Veränderungen. Die Folge: Viele Innenstädte veröden und Leerstände nehmen zu. Dieses Problem spüren wir auch in Bremen und Bremerhaven. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Konzepte der letzten 60 Jahre nicht mehr zukunftsfähig sind und wir völlig neu denken müssen. 

Die Bremer Innenstadt

Ich freue mich, dass die Bremer Innenstadt trotz aller Probleme ein echter Anziehungsort für viele Bremer:innen und Menschen aus der Umgebung ist. Gerade das historische Ensemble um Marktplatz, Dom und Schnoor und die Nähe zur Weser machen sie besonders attraktiv. Aber trotzdem können wir dieses Potenzial bis jetzt noch nicht nutzen! Zu sehr ist die Innenstadt noch ein reines Shopping-Areal. Mir fehlt es an Abwechslung, Leben und Wohnmöglichkeiten! Das sehen wir vor allem am Abend, wenn die Innenstadt leerer wird. Die Corona-Pandemie beschleunigt noch einmal, was wir schon länger beobachten: Online-Shopping führt zu Ladenschließungen und Leerständen. Darunter leidet dann auch die Aufenthaltsqualität.

Lebendige Zentren schaffen!

Aber wie müssen wir Innenstädte gestalten, damit sie auch in der Zukunft noch voller Leben sind und Menschen aus nah und fern anziehen? Wir müssen unabhängiger von den reinen Einkaufsangeboten werden. Ich will, dass die Innenstädte bei uns in Bremen und Bremerhaven zum Verweilen einladen, ganz egal ob allein, im Freundeskreis oder mit der Familie. Wenn ich in unsere Innenstadt gehe, möchte ich bummeln und mich anregen lassen. Wir brauchen mehr Vielfalt und Leben – nicht nur reinen Einzelhandel, sondern auch abwechslungsreiche Gastronomie und viel Kultur und Kleinkunst. Innenstädte müssen aber nicht nur für Besucherinnen und Besucher attraktiv werden. Es gibt heute noch zu wenig Wohnraum direkt im Zentrum – und auch die das Arbeiten in der City sollten wir neu denken. 

So fangen wir damit an:

Wenn wir unsere Innenstädte von einer Konsumzone hin zu einer „Erlebniswelt Innenstadt“ umgestalten wollen, muss die Politik eine aktive gestalterische Rolle einnehmen und dafür private Investoren mit ins Boot holen. Wir müssen mehr ausprobieren und dabei auch manchmal mutig sein, anstatt immer nur Ideen von vornherein auszuschließen. Mir ist besonders wichtig, dass wir neue Räume für frische Ideen in der Innenstadt öffnen und auch bestehende Flächen, die heute nur für Shopping genutzt werden können, umwidmen und neu denken. So schaffen wir Platz für kleinere interessante Geschäfte, aber auch für Co-Working Spaces, Wohnangebote, Reparatur-Cafés oder andere Projekte, die Leben in die Innenstadt bringen und eine Abkehr von einem reinen Shopping-Areal ermöglichen. Dafür müssen wir am Ende auch das nötige Geld in die Hand nehmen, denn dieser Wandel kommt nicht von alleine. Es gilt keine Zeit zu verlieren!

Mein Fazit: Lebendige Innenstädte für Bremen und Bremerhaven

Wir stehen vor großen Herausforderungen, wenn wir unsere Innenstädte langfristig als attraktive Zentren erhalten wollen. Die Konzepte von früher helfen dabei nicht weiter. Wir werden nicht länger nur auf den Einzelhandel setzen können, sondern brauchen vielfältigere Angebote: Geschäfte, Gastronomie, Kultur, Leben, Wohnen, Arbeiten – all das muss ineinandergreifen. Wir werden diese Aufgabe mit großer Kraft angehen, denn uns liegen unsere Innenstädte in Bremen und Bremerhaven sehr am Herzen.

Autor*in

Reinhold Wetjen ist seit Juni 2021 Vorsitzender der SPD Land Bremen. Zuvor hat er u.a. als Ortsvereinsvorsitzender, im Unterbezirksvorstand Bremen-Stadt und Verantwortlicher für den Arbeitskreis „Soziale Stadtentwicklung“ agiert. Mitglied der SPD und bei ver.di ist er seit 1977. Reinhold Wetjen ist verheiratet und sein Leben wird zu seiner Freude von seiner Frau, seinen beiden Töchtern und den zwei Enkelinnen mitbestimmt. In der SPD macht er sich für moderne Arbeitsformen und die aktive Beteiligung der Mitglieder stark. Die Förderung und Qualifizierung junger Mitglieder ist ihm wichtig. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Stadtentwicklung: Insbesondere die Weiterentwicklung und der soziale Ausgleich in den Stadtteilen. Ihm sind unterstützende und „aufsuchende“ Angebotsstrukturen vor Ort für die Bevölkerung wichtig. Zu diesen und weiteren Themen schreibt er in unserem Blog.

4 Kommentare Neuen Kommentar hinzufügen

  1. Werner Stührmann sagt:

    Moin Reinhold,
    Du sprichst mir aus der Seele. Nur wenn wir wirklich mal “ anders “ denken werden wir die Lösung finden.
    Aber nur Innenstadt zu denken ist zu kurz gesprungen.
    Ein abgestuftes Konzept wäre für alle Beteiligten die optimale Lösung.

    Innenstadt
    Quartierzentren
    Nahversorgung

    Der Ostertorsteinweg ist z. B. ein Beispiel für Einkaufen, Gastronomie und Kultur.

    Ein neuer Ansatz kann in Hemelingen in der Silberwarenfabrik entstehen: Union Brauerei und Kaffeerösterei, Kultur, Entwicklung des Coca-Cola und Könecke Geländes.
    Man muss auf jeden Fall nicht sofort jeden Gedanken abbügeln.

    1. Reinhold Wetjen sagt:

      Danke für die Mut machende Rückmeldung. Hier geht es um die Innenstadt, aber wir haben die Quartiere mit ihren vielfältigen Unterschieden im Blick und arbeiten daran schon seit einigen Jahren. Das ist auch einer meiner persönlichen Schwerpunkte. Unter anderem haben wir auch für die Hemelinger Bahnhofstraße und umzu ein Konzept mit dem SPD-Ortsverein und unserer Beiratsfraktion entwickelt.

  2. Angela Schmelter sagt:

    Lieber Reinhold, um die Innenstadt zu beleben braucht es meiner Meinung nach (bezahlbaren) Wohnraum und mehr Gastronomie in den Erdgeschossen, die einen verbreiterten Fußgängerbereich für die Außengastronomie nutzen können. Also Straßenbahn rau aus der Obernstraße. Und noch etwas, die Martinistraße ließe sich für alle einfacher überqueren mit Zebrastreifen statt Ampeln. In Wien kann man/frau sich ansehen wie es funktioniert.

    1. Reinhold Wetjen sagt:

      Liebe Angela, da sprichst du einen wichtigen Punkt an, den ich ja auch im Blogbeitrag anschneide: Moderne Innenstädte müssen abwechslungsreich und vielfältig sein! Deswegen kann ich mir neben Gastro auch sehr gut Wohnraum in der City vorstellen. Ich gebe dir da ganz recht, dass wir auch mehr Platz brauchen und denke auch, dass die Straßenbahn raus aus der Obernstraße sollte. Ob und wie das funktioniert, wollen wir jetzt zeitnah prüfen.
      Deine Idee mit dem Zebrastreifen nehme ich erstmal so mit.

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