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Geldwäsche im Profisport: Schluss mit dem Wegschauen!

Symbolbild: Geldscheine

Unzählige Bestechungs- und Korruptionsaffären, immer wieder Schlagzeilen über undurchsichtige Millionen-Deals mit Geld aus ominösen Quellen, Ermittlungen gegen Spielerberater, Vereine und Verbände. Man muss schon sehr gut wegschauen, wenn man die Bedrohung der Integrität des Profisports durch schmutziges Geld nicht sehen will. Dennoch gibt es einige, die das offenbar gern tun wollen.

Das Ping-Pong-Spiel der Zuständigkeiten beenden!

Seit fast zwei Jahren wird die von Bremen ursprünglich auf der Justizminister:innen-Konferenz angestoßene Debatte rund um das Thema Geldwäsche im Profisport immer wieder „zuständigkeitshalber“ hin und her verwiesen: Von der Sportminister:innenkonferenz, zu den Finanzminister:innen, über Inneres zur Wirtschaft und wieder zurück zur Justiz. Um dieses politische Ping-Pong-Spiel zu beenden, hat Bremen zusammen mit Berlin einen Gesetzesänderungsvorschlag zum Thema in den Bundesrat eingebracht. Wir möchten Geldwäsche im Sport einen Riegel vorschieben, durch klare Melde- und Kontrollpflichten, wie sie unter anderem auch für Finanzinstitute gelten.

DFL und DFB wollen das Problem nicht sehen

Mir war klar, dass mit Widerstand zu rechnen war: Die DFL und der DFB hatten uns schon im Vorfeld freundlich darauf aufmerksam gemacht, dass unser Gesetzesentwurf aus ihrer Sicht gar nicht nötig sei. Das Argument allerdings verwunderte mich dann doch: Es gebe in Deutschland keine entsprechenden Fälle, hieß es. Nun ja: Dass gerade fehlende Meldepflichten und mangelnde Transparenz, die wir ja gerade mit unserer Gesetzesinitiative herstellen wollen, die Ursache dafür sein könnten? Geschenkt! Aber ausgerechnet parallel zur Vorstellung unserer Initiative wurden Vorwürfe gegen einen Investor eines deutschen Bundesligavereins laut, denen zufolge Millionenbeträge aus strafbaren Handlungen in dessen Unternehmensgruppe und mittelbar in den Verein geflossen seien. Alleine das sollte dann doch den Letzten deutlich machen: Ja, wir haben ein Problem! 

Schmutziges Geld im Sport: Leider nichts neues!

Dieses Problem ist übrigens keinesfalls neu: Schon 2007 wurde die Gefährdung des Profisports durch schmutziges Geld im Weißbuch der Europäischen Kommission aufgegriffen – seither wird diese Warnung auf internationaler Ebene in steter Regelmäßigkeit und immer nachdrücklicher wiederholt. Selbst Kreditinstitute werden mittlerweile hellhörig: So lehnt beispielsweise die niederländische Rabobank mittlerweile Fußballclubs als – wohlgemerkt: zahlende – Kunden ab. Mit einer eindeutigen Begründung: Das Geldwäsche- Risiko in diesem Bereich sei schlicht zu groß. 

Bundesratsausschuss blockiert durch Vertagung 

Eigentlich sollte ein Gesetzesänderungsantrag also ein Selbstläufer sein – auch im Sinne der Proficlubs selbst: Denn schließlich müsste es ja ureigenes Interesse sein, nicht nur das eigene Tor, sondern auch den eigenen Laden sauber zu halten. Aber, weit gefehlt: Trotz der Empfehlung des Finanzausschusses des Bundesrats, die Gesetzesänderung in den Bundestag einzubringen, blockiert der Wirtschaftsausschuss unsere Initiative auf unbestimmte Zeit. Kurzum: Es scheint so, als ob es – insbesondere den CDU-geführten Ländern – schlicht darum geht, im Umgang mit den wirtschaftsstarken Profisport-Vereinen und -Verbänden größtmögliche Zurückhaltung an den Tag zu legen und Entscheidungen, die „König Fußball“ betreffen könnten, möglichst auf den Sankt-Nimmerleinstag zu verschieben. 

Wie es nun weitergeht? 

Weiterhin alle Warnungen in den Wind zu schießen und nicht wahrhaben zu wollen, dass auch der Sport in Deutschland in Gefahr ist, durch illegale Finanztransaktionen unterwandert zu werden? Das kann und darf aus meiner Sicht jedenfalls nicht unsere politische Antwort sein. Und um auch das noch einmal klar zu sagen: Es geht nicht darum den Berufssport, unter Generalverdacht zu stellen, sondern um dessen Integrität. Wir wollen daher ausdrücklich keine Sonderregelungen für den Profisport, sondern lediglich, dass dessen Vertreter mit Kredit- und Finanzinstituten, mit Versicherungsunternehmen, mit Rechtsanwälten und Notaren, mit Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern sowie Immobilienmaklern gleichgestellt werden.

Für die Integrität des Sports – gegen Geldwäsche! 

Ich werde mich mit der nun erfolgten „Vertagung“ im Wirtschaftsausschuss nicht zufriedengeben, sondern beantragen, die Gesetzesinitiative dort erneut aufzurufen und Farbe zu bekennen. Parallel dazu werden wir auch auf anderer Ebene aktiv: So hat uns unter anderem aus der SPD-Bundestagsfraktion deutliche Unterstützung für unsere Initiative erreicht. Denn eines ist klar: Wir dürfen die Gefahr, die von schmutzigem Geld für den Berufssport ausgeht, nicht weiter auf die lange Bank schieben!

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Die Bremer Bundesratsinitiaitve zur Verhinderung von Geldwäsche im Berufssport findet sich hier: https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2022/0001-0100/32-22.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Ein sehenswerter Beitrag der Sportschau – samt Infos über unseren Vorstoß ist hier zu sehen: Das Geschäft mit dem Fußball: Die Machenschaften der Spielerberater – Fußball – sportschau.de

Autor*in

Dr. Claudia Schilling (53) ist seit 2019 Senatorin für Wissenschaft und Häfen sowie für Justiz und Verfassung im Land Bremen. Die heutige Bremerhavenerin wuchs in Wolfsburg auf und war sowohl in der niedersächsischen als auch in der bremischen Justiz in leitender Position – unter anderem als Direktorin des Amtsgerichts Geestland sowie als vorsitzende Richterin am Landgericht Bremen – tätig. Als Stadträtin engagierte sie sich schon seit 2017 hauptamtlich für Bremerhaven. Belange der Seestadt – vom Wertquartier bis hin zur Entwicklung der Stadt zum Wasserstoffkompetenzzentrum – sind der Juristin auch heute als „Bremerhaven-Senatorin“ wichtige Anliegen. Dr. Claudia Schilling ist davon überzeugt, dass die Zukunft unseres Bundeslandes maßgeblich vom Erfolg seiner Hochschulen und Forschungsinstitute sowie der Häfen abhängt. An der Wasserkante setzt sie sich für wettbewerbsfähige, moderne und klimafreundliche Häfen ein, mit dem Ziel, dort auch in Zukunft gute und faire Arbeit für unser Bundesland bieten zu können. Die Wissenschaftslandschaft will sie weiter stärken und mit Projekten wie dem Aufbau eines integrierten Gesundheitscampus oder der Bremer KI-Strategie weiterentwickeln. Ihr Herz als Senatorin für Justiz und Verfassung schlägt insbesondere für eine angemessene Ausstattung der Justiz, einen bürgerfreundlichen Zugang zum Recht und einen wehrhaften Rechtsstaat als unverzichtbarer Bestandteil unserer Demokratie. Schilling ist verheiratet. In ihrer Freizeit ist sie begeisterte Reiterin.

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